Am Samstag, dem 31. Oktober, fallen in diesem Jahr zwei Ereignisse zusammen: die Halloweennacht und ein bundesweiter Protestaufruf junger Menschen unter dem Motto „Gen Z regelt das“ beziehungsweise „Gen Z steht auf“. Die Initiative ruft für den Tag zu Demonstrationen in mehr als 20 deutschen Städten auf. Die Polizei bereitet sich vor – und warnt zugleich vor Gewalt im Schutz der Halloween-Maskerade. Was bisher bekannt ist.
Wofür demonstriert „Gen Z regelt“?
Nach Angaben der Initiative geht es unter anderem um Bildung, ein bezahlbares Leben, Klimaschutz und die Ablehnung einer Wehrpflicht. Mobilisiert wird vor allem digital – über TikTok, Instagram und Telegram. Vorbild sind die Schülerproteste in Frankreich, wo Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und für bessere Bildung zuletzt von schweren Ausschreitungen, Brandstiftungen und Plünderungen begleitet wurden.
Die Organisatoren betonen selbst den friedlichen Charakter der geplanten Aktionen. Mitinitiator Akram Selo sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir distanzieren uns klar von jeglicher Art von Gewalt.“ Auf der Homepage und in Telegram-Kanälen der Initiative heißt es demnach ausdrücklich: null Toleranz für Gewalt, Deeskalation, Distanz zu den Ausschreitungen in Frankreich.
Was sagt die Polizei?
Die Polizei Dortmund teilte am 27. Oktober mit, dass sie die Lage seit Tagen beobachtet und sich auf mögliche Einsätze in Dortmund und Lünen vorbereitet. Mit Stand vom 27. Oktober um 8:40 Uhr lag ihr für ihren Zuständigkeitsbereich allerdings noch keine Versammlungsanzeige im Zusammenhang mit den angekündigten Protesten vor. Die Behörde betont, dass sie die Versammlungsfreiheit umfassend schützt – auch für junge Menschen. Wer Versammlungen aber für Gewalt missbraucht oder die Halloween-Kulisse nutzt, um Eigentum zu beschädigen, müsse mit konsequentem Einschreiten rechnen.
Auch in anderen Städten ist das Bild ähnlich: In Bonn und Dortmund gab es bis zum 27. Oktober gar keine offizielle Versammlungsanzeige, in Essen, Düsseldorf und Münster zunächst nur Anmeldungen im niedrigen zwei- oder dreistelligen Bereich. Insgesamt sind bei der Polizei bislang nicht einmal 10.000 Teilnehmer angemeldet – obwohl auf der Homepage der Initiative allein für NRW fast 40.000 Teilnehmer zu erwarten wären. Die Polizei Freiburg rechnet nach eigenen Angaben aktuell nicht mit Gewalt oder Ausschreitungen, bereitet sich aber auf den Einsatz vor.
Berlins Polizei sieht nach aktueller Erkenntnislage keine Hinweise darauf, dass es in Berlin zu ähnlichen gewaltsamen Ausschreitungen mit Plünderungen und Brandschatzungen wie in Frankreich, Italien oder Spanien kommen könnte. Eine zunächst angemeldete Berliner Kundgebung ist dort derzeit nicht mehr angezeigt, die Polizei bereitet sich trotzdem auf Spontanversammlungen vor.
Warnungen und Kritik
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann warnte vor Gewalttaten hinter Halloween-Masken. Man habe sich bewusst Halloween ausgesucht, einen Tag, an dem sich Menschen maskieren und „im Schutz der Maskerade“ in der Vergangenheit bereits Körperverletzungen und Sachbeschädigungen begangen worden seien. NRW-Innenminister Herbert Reul kündigte eine harte Linie an; am 31. Oktober sollen in größtmöglichem Umfang Kräfte der Bereitschaftspolizei zur Verfügung stehen. Das NRW-Innenministerium stellte zugleich fest, dass es bislang keine konkreten Anhaltspunkte für Störungen oder für eine Entwicklung wie in Frankreich gebe. Eine Beteiligung linksextremistischer Gruppierungen oder auslandsbezogener Extremisten sei allerdings nicht auszuschließen.
Auch die Bundesschülerkonferenz geht auf Abstand: Sie unterstützt die Proteste ausdrücklich nicht und warnt, wegen der „undurchsichtigen Organisationsstrukturen“ könnten die Anliegen junger Menschen „zum Spielball politischer Instrumentalisierung und Polarisierung“ werden. Die Landesschülervertretung in NRW hingegen unterstützt die Forderungen der Initiative.
Was bedeutet das für den 31. Oktober?
Klar ist: Friedlich zu demonstrieren ist ein verfassungsrechtlich garantiertes Recht – auch für junge Menschen. Die Polizei kündigt an, dieses Recht zu schützen, aber bei Gewalttaten oder Sachbeschädigungen konsequent einzuschreiten. Unabhängig von den Protesten wird die Polizei in der Halloweennacht vielerorts sichtbar unterwegs sein und appelliert an Eltern, mit ihren Kindern über die Grenze zwischen Halloweenstreichen und Straftaten zu sprechen: Eierwürfe, Böller und Sachbeschädigungen seien keine harmlosen Streiche.
Häufige Fragen zu „Gen Z regelt“
Wann finden die „Gen Z regelt“-Proteste statt?
Am Samstag, dem 31. Oktober 2026, in mehr als 20 deutschen Städten – parallel zur Halloweennacht.
Was fordert die Initiative?
Unter anderem bessere Bildung, ein bezahlbares Leben, Klimaschutz und die Ablehnung einer Wehrpflicht.
Rechnet die Polizei mit Gewalt?
Die Lage ist uneinheitlich: Während einzelne Innenminister vor Gewalt warnen, sehen die Polizeibehörden in Berlin und Freiburg aktuell keine konkreten Hinweise auf Ausschreitungen. Viele Kundgebungen sind zudem bislang gar nicht oder nur mit kleinen Teilnehmerzahlen angemeldet.



